Die dunkle Mühle oder Die Saga der Familie Gollwitzer von Gerd Scherm
Die dunkle Mühleoder Die Saga der Familie Gollwitzervon Gerd Scherm
Rezensionen (Zitate aus Publikationen)
Fürther Nachrichten, 2. März 2012
Lebenszeichen aus dem Jenseits „Herausgehoben aus der Masse zeitgenössischer Publikationen wird ein außergewöhnliches Werk, das auf einem Kraftakt jahrelanger Recherche gründet. Den lässt es sich allerdings zum Glück nicht anmerken. Ein ganzes Jahrhundert nimmt darin Gestalt an, festgemacht an der Familiengeschichte von Scherms Frau Friederike Gollwitzer.
[...] brachte Gerd Scherm das Material in eine Form, die Leser fesseln kann. Auch typografisch hervorgehoben wechseln Reportage-Elemente mit Berichten, Essays, Briefen, Lebenserinnerungen und Dokumenten. Was die Lektüre anregend macht, ist die breit angelegte Perspektive. Sie beschränkt sich eben nicht auf die Ahnenforschung, sondern bezieht politische und soziokulturelle Entwicklungen mit ein.“
Volker Dittmar
Über Literatur und Sprache - Ein Blog von Heinz W. Pahlke, 18. Januar 2012
"Die dunkle Mühle": ein dokumentarischer Episoden-Roman über die Familie Gollwitzer Das Spannende an Scherms Roman ist nicht nur die Biographie einer berühmten Familie, sondern genauso die Montage aus dokumentarischen und literarischen Elementen. Romanhafte Passagen, die die Leser in die dunkle Mohrensteinmühle, in das unwirtliche Sankt Ötzen, zu den Auswanderern im Zwischendeck eines Ozeanriesen, in die neue Heimat am Eriesee, in ein Pfarrhaus am Bodensee und nach Berlin-Dahlem entführen, wechseln mit Passagen ab, in denen die Leser Friederike und Arno auf ihrer Entdeckungsreise begleiten. Immer wieder eingestreut finden sich Auszüge aus den Erinnerungen Karl Gollwitzers, aus Briefen der Auswanderer in ihre alte Heimat und aus Schriften von Johannes Stark.
Heinz W. Pahlke
ELEUSIS - Beiträge zur Kultur aus freimaurerischer Geisteshaltung
Heft 4/2011, 66. Jahrgang
Buchbesprechung Noch bis ins zwanzigste Jahrhundert gab es nur eine Geschichtsschreibung, die sich mit den Ereignissen in Feudalpalästen, Regierungssitzen und Schlachtfeldern beschäftigte. Was der Landmann, der einzelne Soldat, der Bürger, der Städter tat und erlitt, war nicht erwähnenswert; es sei denn, einer oder eine hob sich durch ein allgemeines Interesse hervorrufendes Schicksal aus der Menge der Ungenannten heraus. Dies hat sich heute geändert. Immer häufiger werden Lebensschicksale aus "mikrogeschichtlicher Perspektive" erzählt, und diese Spiegel der großen Geschichte im Erleben des Einzelnen rücken dem Leser näher als jeder menschenabgehobene Lenker der Geschicke, weil er sich selbst darin wiederfinden kann.
[...]
Was dabei entstanden ist, lässt jede vorurteilsgeprägte Frage, wen schon Leben und Taten fremder Personen interessieren könnte, verstummen. Denn mit den Schicksalen der Familienglieder in einem Zeitrahmen von 1820 bis in die heutige Gegenwart rücken einem die Ereignisse dieser Zeit näher als jeder historische Bericht von großen Taten bedeutender Zeitgenossen. Man glaubt, förmlich die Enge der bäuerlichen Behausungen in der Oberpfalz vor sich zu sehen, die Furcht vor Wetterunbilden des mit den kargen ertragsarmen Mittelgebirgsböden sich abmühenden Landvolks mitzuempfinden, die drückende Armut, die dumpfe Furcht vor Unholden, die sich in atavistischen Gebräuchen niederschlägt.
[...]
Die Daheimgebliebenen schöpften nach dem Ersten Weltkrieg Hoffnung, als ein Gefreiter führerisch-verführerisch von Deutschlands Größe, vom Adel der Arbeit redete, und davon, dass jeder, der von seiner Hände Arbeit leben muss, nicht in Not geraten darf. Manch einer atmete auf und blieb doch misstrauisch. Intensiv erfahren, durchdacht und durchlebt begegnet uns hier Berichterstattung und Reflektion der NS-Zeit. Hier verlässt der Berichterstatter seine Position des leidenschaftslos Schildernden. Wie wahr muten einem Sätze an wie: "Es war keineswegs so, dass die Nazis ihre Maske hatten fallenlassen, sie hatten nie eine getragen."
Bei all diesem über hundertfünfzig Jahre ablaufenden von Entbehrungen, Leid, Furcht, Selbstüberhebung und Knechtschaft durchsetzten Geschehen finden sich auch tröstliche Momente der Lebenszugewandtheit, Liebe und des Erbarmens. Und es ist ein versöhnlicher Schluss, wenn hier die Lebensgeschichte des Helmut Gollwitzer steht.
[...]
... und am Schluss gerät jemand, wie jetzt der Rezensent, an das Buch, und sagt sich: Es war ein Gewinn, dies zu lesen.
Michael von Swiontek
Fränkischer Anzeiger / Rothenburger Nachrichten, 15. November 2011

Faszinierende Familiengeschichte

Überraschungen ist man von ihm im schönen Sinne fast schon gewohnt: Der in Fürth gebürtige, in Binzwangen lebende Autor und bildende Künstler Gerd Scherm (Jahrgang 1950) lässt sich in keine literarische Schublade sperren.
Das Buch erinnert als fesselnde Zeitgeschichte entfernt an die "Deutsche Chronik" Walter Kempowskis (darin der Band "Tadellöser & Wolf") oder sein Projekt "Echolot". Die biographisch-literarische Ummantelung macht die authentische Collage von Autor Gerd Scherm nahbar.
Bettina Hirschberg
Fränkische Landeszeitung, 13. Oktober 2011

Lebensläufe und Zeitläufte

Wie sich in einer Familie die Weltgeschichte widerspiegelt
Mit seinem Familienportrait geht Gerd Scherm weit über übliche Biographien hinaus. Die Schilderung persönlicher Schicksale vor der historischen Folie stellt einen übergreifenden Kontext her. Eindrucksvoll!
Martina Kamer
Nürnberger Nachrichten, 22. August 2011

Weltgeschichte spiegelt sich in Lebensgeschichten

Gerd Scherm hat die abenteuerliche, aber wahre Chronik der süddeutschen Familie Gollwitzer aufgeschrieben
Zahlreiche Episoden aus der Geschichte einer oberpfälzisch-fränkischen Ausnahme-Familie hat der bei Ansbach lebende Schriftsteller Gerd Scherm zu einem spannenden Dokumentarroman verarbeitet.
Intellektuelle Basis des Buchs bildet die Behauptung, dass Geschichte die Summe vieler kleiner Geschichten ist. [...] In der sehr behutsamen literarischen Bearbeitung von Gerd Scherm liest sich die "Gollwitzer-Saga" stellenweise wie eine Sozialgeschichte des süddeutschen ländlichen Raumes im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. [...] Doch es gibt auch Zeugnisse erstaunlicher Aufstiege. [...]
Helmut Gollwitzer glaubte an die Möglichkeit, das "Reich Gottes auf Erden" zu verwirklichen. In dieser Hinsicht dachte er wie viele seiner Verwandten, wie jene unablässig schuftenden Bauern, Handwerker und Arbeiter, welche in der Vergangenheit trotz aller Mühen und Sorgen die Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben nie verloren haben.
Bernd Zachow
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Gerd Scherm: Die dunkle Mühle. Eine Gollwitzer-Saga